1 1 2 3
zurück zur Übersicht
  • 5. Dezember bis 8. März 2015

150 Jahre Saarfürst

  • Ansicht der Westseite der Brauerei mit dem Kesselhausblock der 1960 Jahre
  • Kaiserstraße mit Brauereigebäude (heutige Brauerstraße)
  • Außenansicht des Stallgebäudes
  • Bierdeckel
  • Bierdeckel

Saarfürst schmeckt immer!

150 Jahre Saarfürst - eine Ausstellung zum Jubiläum der Merziger Saarfürst-Brauerei im Museum Schloss Fellenberg in Merzig

„Saar-Fürst vertreten im ganzen Saargebiet, Hochwald und Hunsrück“ – heißt es in einer undatierten Werbeanzeige aus den 1950er Jahren. Saarfürst-Produkte wurden im ganzen Saarland, besonders in den Kreisen Merzig und Saarlouis, in Lothringen, in Trier sogar in Koblenz getrunken.

In dieser Zeit zählte die Saarfürst zu den bedeutendsten Brauereien des Saarlandes. Heute ist es um die Saarfürst-Brauerei ruhig geworden. Hier und da sind noch verstaubte Reste von dieser Brauerei zu finden, die einmal mit zu den ganz großen saarländischen Brauereien zählte.

„Ist er würdig?“ „Ja er ist würdig.“

Mit diesen Worten wurde über viele Jahre das Bockbierfest der Saarfürst Brauerei in Merzig eröffnet. Dazu gehörten damals auch ein Geißbock, der Ritter Saarfürst und die Schlüsselübergabe. Heute sind das nur noch Erinnerungen, neben vielen weiteren, die die Merziger noch an „ihre“ Saarfürst Brauerei in der Mitte der Stadt haben. Einige davon werden in den vielen Ausstellungsstücken im Museum Schloss Fellenberg wieder lebendig. Und auch die zahlreichen Gäste der Vernissage fanden viele Anknüpfungspunkte. So ziemlich jeder hat seine eigene Erinnerung oder Geschichte.

Vor 150 Jahren wurde die Brauerei gegründet. Am 10. Oktober 1864 erhielten Johann und Nikolaus Schuhler die Konzession von der Stadt Merzig zur Errichtung und zum Betrieb einer Bierbrauerei. Die Produktionsgebäude in der Kaiserstraße, der heutigen Brauerstraße, sind noch auf alten Postkarten zu sehen. Trotz großer Erfolge geriet die Brauerei in Schwierigkeiten und wurde 1888 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und hieß „Actien-Brauerei Merzig“. Daraus wurde 1910 „Aktienbrauerei Merzig“.

Im 2. Weltkrieg wurden die Brauereigebäude zwar erheblich zerstört, aber bereits im März 1945 wurde die Produktion wieder aufgenommen. Eine weitere Namensänderung in „Saarfürst-Brauerei AG“ erfolgte 1953. 1979 führten wieder wirtschaftliche Schwierigkeiten zu Änderungen bei der Saarfürst, und es hieß: „Übernahme der Mehrheitsbeteiligung durch die Homburger Karlsberg Brauerei“ und Saarfürst hieß von da an „Saarfürst Brauerei GmbH“. 1987 wurde der Braubetrieb eingestellt. Saarfürst Bier wurde nun unter Verwendung der Originalrezeptur von der Karlsberg Brauerei weitergebraut und vertrieben. Der Abriss der Produktionsstätte 1988/1989 in der Brauerstraße war ein schwerer Schlag für alle Saarfürst-Fans. Merziger Geschichte wurde zerstört – mal wieder. Zurück blieb mitten in der Stadt eine Grundstücksbrache, für die nach rund 26 Jahren – bis heute – immer noch keine Lösung gefunden wurde.

Vielleicht führt die aktuelle Ausstellung zu intensiven Überlegungen, der Saarfürst und den treuen Saarfürst-Sammlern an Ort und Stelle wieder Raum zu geben und Merziger Geschichte in Erinnerung zu halten; umfangreiche Sammlungen in Merzig zu präsentieren und damit ein Abwandern in andere saarländische Gemeinden zu vermeiden. Die Karlsberg Brauerei hilft sicherlich.

„150 Jahre Saarfürst“ unter diesem Motto zeigt die Ausstellung im Gewölbekeller des Museums viele Stücke vom Bierdeckel über Krüge und Plakate bis hin zu Wirtshauslaternen. Ein Film lädt in einem der Räume dazu ein, mit bewegten Bildern die Geschichte der Traditionsbrauerei zu verfolgen. Zu sehen sind ebenfalls Zeichnungen von Gerhart Kraatz aus dem Buch „…auf Du und Du mit einem Fürsten – 100 Jahre Saarfürst Brauerei“. Dass so viel in dieser Ausstellung gezeigt werden kann, ist etlichen Leihgebern zu verdanken. „Als wir im Frühjahr mit der Konzeption und der Suche nach Exponaten begonnen haben, dachten wir zunächst, dass es schwer sein würde, genug zusammenzubekommen. Aber dann kamen immer mehr Ausstellungsstücke hier an. Am Ende war es so viel, dass wir nicht genügend Platz hatten, um alles zu zeigen“, betonte Dr. Ingrid Jakobs, Leiterin des Museum Schloss Fellenberg. Einer der größten Leihgeber und Sponsoren, Konrad Bauer, durfte am Abend der Vernissage den Fassanstich in einem der Ausstellungsräume übernehmen. Weitere Leihgaben kommen von der Familie des Braumeisters Gerold Kuhn, von Frank Casciani vom Museum für saarländische Brauereikultur und Einzelstücke stammen von privaten Sammlern.

In ihrem Grußwort erzählte Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, dass sie sich auch noch gut an das von der Saarfürst geprägte Stadtbild erinnern kann. Das Saarfürst-Bier habe eine lange Tradition und es sei toll, dass es das Bier noch im Merziger Brauhaus gebe, freute sich die Landrätin.

Dieter Ernst, der hauptamtliche Beigeordnete der Kreisstadt, hat ebenfalls seine persönlichen Erinnerungen, hat nach eigener Aussage ein Drittel der 150-jährigen Geschichte bewusst miterlebt. Die Brauerei habe das Stadtbild stark geprägt mit Turm und Hallen, alles im Herzen der Stadt. Ebenso sei es eine starke Veränderung gewesen, als die Brauerei abgerissen wurde, betonte Ernst. Er hoffe sehr, dass man mit dem noch stehenden Turm und der Halle etwas entwickeln könne in Zukunft.

Christian Weber, Generalbevollmächtigter der Karlsberg Brauerei GmbH, sieht in der Geschichte der Saarfürst Brauerei ein Symbol für die Brauereigeschichte im Allgemeinen. „Der Markt hat sich unglaublich verändert. Die Zahl der Brauereien ist in den letzten fünf Jahren gewachsen. Und das sind nicht nur große Brauereien, sondern eben genau solche kleinen Brauhäuser wie in Merzig, in der man sich wieder in kleineren Mengen auf die Braukunst besinnt“, führte der Generalbevollmächtigter der Karlsberg Brauerei GmbH aus. Er denke, dass die Entwicklung weg von großen industriellen Strukturen hin zu kleinen, regionalen und gastronomielastigen Strukturen die Zukunft sei. Die Ausstellung in Merzig sei eine Anerkennung auch für die Merziger, die die Saarfürst Brauerei groß gemacht haben.

Barbara von Gartzen, deren Vater der letzte Direktor der Saarfürst Brauerei in Merzig war, ließ die Geschichte mit vielen Erinnerungen ihres Vaters und aus der Sichtung von Aufzeichnungen wieder lebendig werden.

Wer selbst noch Stücke der Saarfürst Brauerei hat, kann diese gerne für eine spätere Dauerausstellung des Museums zur Verfügung stellen.

Die aktuelle Ausstellung „150 Jahre Saarfürst“ läuft bis 8. März im Museum Schloss Fellenberg, Torstraße 45a in Merzig, Telefon (0 68 61) 79 30 30, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr und nach Voranmeldung.

© 2013 Schloss Fellenberg, Impressum