Monika von Boch-Preis für Fotografie 2021 – Roland Wirtz

Verleihung des „10. Monika von Boch-Preises für Fotografie“ an den Berliner Fotografen Roland Wirtz

Roland Wirtz erhält 2021 den 10. Monika von Boch-Preis für Fotografie. Mit der Preisverleihung am 2. Mai 2021 eröffnet das Museum Schloss Fellenberg in Merzig eine Ausstellung zu seinem fotografischen Werk.

Die Fotografie von Roland Wirtz vergisst man nicht. – Wirtz beschreitet in seinem Werk einen sehr persönlichen Weg, der von dem allermeisten abweicht, was man kennengelernt hat. Seine Fotografien sind sehr starke Bilder, die den Betrachter auf Wege schicken, von denen er nicht unbedingt wusste, dass es sie überhaupt gibt. Roland Wirtz wurde 1959 in Köln geboren. Bald zog die Familie nach Saarbrücken, wo der Künstler seine Jugend verbrachte und bis Ende der 1990er Jahre lebte. Heute ist sein Lebensmittelpunkt in Berlin.

In den 1990er Jahren wurde Roland Wirtz bekannt mit Arbeiten, die auf einen der beiden Ursprünge der Fotografie um 1840 zurückgehen: Die Kalotypie. – Ein Begriff aus dem Griechischen, der übersetzt bedeutet: der schöne Druck. Anders als die Daguerreotypie, die gestochen scharfe Bilder auf versilberten Kupferplatten hervorbrachte, ist die Kalotypie durch und durch Papierbild und das erste fotografische Negativverfahren überhaupt. „Durch und durch“ bedeutet hier, dass auch das Negativ in der Kamera auf dünnem Papier aufgenommen wurde, manchmal wurde es zur größeren Lichtdurchlässigkeit geölt. Dennoch blieb der Charakter des Bildes immer mit einem Rest Unschärfe verbunden ganz im Gegensatz zur technoiden Metallplatte Daguerres. Sieht er eine Kalotypie, weiß der Betrachter sofort, dass es sich um ein sehr altes Bild, ein sehr altes Verfahren handeln muss. – Roland Wirtz aber studiert historische Anleitungen, baut eigene Kameras, eignet sich das Kalotypieverfahren an und macht Bilder, die das 19. Jahrhundert atmen. Gleichzeitig sieht man Antennen, Autos oder Architektur, die nur im Hier und Jetzt entstanden sein können. Die Irritation kann kaum größer sein. Wirtz dringt hier direkt ein in philosophische Fragen zu Zeit und Bild.

Seit nahezu zwanzig Jahren widmet Roland Wirtz seine künstlerische Arbeit dem Prinzip der Unmittelbarkeit der fotografischen Abbildung. Mithilfe selbst konstruierter, überdimensionaler Kameras werden seine Sujets direkt auf Fotopapier belichtet. Kein Negativ, keine digitale Nachbearbeitung, kein zweiter Versuch, keine Kopien. Wirtz arbeitet noch mit dem legendären Cibachrome Fotopapier der Schweizer Firma Ilford, dessen Produktion 2013 eingestellt wurde. Es sind wortwörtlich die letzten Meter, die er in absehbarer Zeit aufbrauchen wird. In einer Serie, die er „Kairos“ nennt, dokumentiert Wirtz historisch, relevante Orte im Übergang zwischen realer Existenz und Mythos, so den Palast der Republik oder die Danziger Lenin Werft, wo der Widerstand der „Solidarność“ entflammte. Beide Unikate sind in der Ausstellung zu sehen. Auf Cibachrome entstehen auch die Bilder der Serie „Apparition“ mit Blicken aus seinem Berliner Atelierfenster – jedes einzelne entspricht einem unwiederbringlichem Moment, immer am selben Ort fotografiert. Monika von Boch – der Namensgeberin des Preises für Fotografie widmet er schließlich eine Rauminstallation, die erstmals in der Ausstellung zu sehen sein wird.

Der Monika von Boch-Preis für Fotografie hat mittlerweile eine lange Tradition und erinnert an die aus Mettlach stammende, renommierte Fotografin Monika von Boch. Seit 2003 wird alle 2 Jahre der Monika von Boch-Preis für Fotografie im Museum Schloss Fellenberg an künstlerisch arbeitende Fotografinnen und Fotografen verliehen. Um mit diesem Preis das künstlerische Lebenswerk der herausragenden Mettlacher Fotografin Monika von Boch (1915-1993) in Erinnerung zu halten.

Die Ausstellung ist zu sehen vom 2. Mai bis 30. Mai 2021.

Fotos: Roland Wirtz